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Flüchtlingshilfe in Gelsenkirchen-Scholven

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Innerhalb weniger Stunden wurde das seit einem Jahr leer stehende Hauptschulgebäude gereinigt und mit Feldbetten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Abends um halb zehn, als die Putzkolonne noch bei der Arbeit war, kamen schon die ersten Busse mit rund 90 Flüchtlingen vorgefahren.

In jedem Klassenzimmer kommen bis zu zwölf Personen unter - das sind zwei Familien oder auch zwölf Einzelpersonen. Unter den Flüchtlingen sind sehr viele alleinreisende junge Männer aller Nationalitäten. Die Flüchtlinge kommen aus Afrika, dem Nahen Osten, vom Balkan oder aus Afghanistan.

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Für die Flüchtlinge ist Gelsenkirchen nur eine Durchgangsstation. Viele von ihnen haben noch nicht einmal Handgepäck bei sich und müssen zunächst mit dem Nötigsten an Kleidung und Hygieneartikeln neu ausgestattet werden. Von Gelsenkirchen aus fahren sie im Taxi zur Zentralen Aufnahmeeinrichtung nach Dortmund, um sich dort registrieren zu lassen und einen Antrag auf Asyl zu stellen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bearbeitet die Anträge und entscheidet, ob der Asylantrag angenommen wird. Die Antragsbearbeitung und damit der Aufenthalt in Gelsenkirchen sollen zwei bis vier Wochen in Anspruch nehmen. Allerdings führt die hohe Zahl der Flüchtlinge hier im Moment zu Zeitverzögerungen.
Wenn der Asylantrag zur weiteren Bearbeitung angenommen wurde, werden die Flüchtlinge auf andere Kommunen verteilt. Dort müssen die Kinder dann auch zur Schule gehen.

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Das Referat Soziales der Stadt Gelsenkirchen ist verantwortlich für die Unterkunft an der Mehringstraße. Die Bedingungen sind provisorisch – ein kleiner Nebenraum, der als Büro dient, ist lediglich mit einer alten Biertischgarnitur ausgestattet. Jedoch machen alle Beteiligten das Bestmögliche aus der Situation. Sozialpädagogische Fachkräfte der Stadt und der Wohlfahrtsverbände stehen den Flüchtlingen ständig als Ansprechpartner zur Verfügung. Dolmetscher helfen bei der Verständigung. Für schwangere Frauen war vom ersten Tag an eine Hebamme vor Ort. Ein Sicherheitsdienst vor der Tür sorgt dafür, dass die Privatsphäre der Flüchtlinge in der Schule weitmöglich gewahrt bleibt. Und der Hausmeister hat sogar Kindersicherungen in die Steckdosen geklebt.

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Von ihrem Taschengeld kaufen sich die meisten Flüchtlinge zunächst eine Prepaid-Karte für ihr Mobiltelefon, um mit der Familie in Kontakt bleiben zu können, die im Herkunftsland geblieben oder auf der Flucht auseinandergerissen worden ist.

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Die Hilfsbereitschaft im Stadtteil Scholven ist beeindruckend. Unzählige Menschen bieten an, etwas zu spenden oder selbst mitzuhelfen. Sarah Zimmermann leitet im Auftrag der Caritas ein Quartiersprojekt in Scholven. Jetzt steht ihr Telefon nicht still.

Natürlich gibt es auch Besorgnis oder Angst in der Nachbarschaft. „Das ist verständlich“, sagt Zimmermann. Aber bei einem Info-Abend für Bürger im Stadtteil war die Stimmung fast durchweg positiv: Wir packen das gemeinsam an.

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Beim benachbarten Mineralöl-Unternehmen BP packen viele mit an: Die Firma spendet bis zum Ferienende das Mittagessen für alle Flüchtlinge der Hauptschule. Das Essen wird in der Werkskantine zubereitet, die Werksfeuerwehr liefert es an. Auszubildende des Unternehmens helfen bei der Austeilung. Heute gibt es Geschnetzeltes mit Nudeln in eingeschweißten Einzelportionen – natürlich kein Schweinefleisch, denn die Menschen kommen aus verschiedensten Regionen der Erde und haben unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten.
Das Deutsche Rote Kreuz übernimmt die Versorgung mit Frühstück und Abendessen. Getränke und Obst sind den ganzen Tag über in der Schul-Aula verfügbar.

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„Wenn die sozialen Netzwerke gut funktionieren, laufen viele Dinge von allein“, sagt Axel Büttner, Diakon der katholischen Gemeinde St. Josef, in deren Nachbarschaft die neue Flüchtlingsunterkunft liegt. Sportvereine, Parteien, der Schützenverein, die katholische, evangelische und neuapostolische Gemeinde und unzählige Einzelpersonen packen gemeinsam mit an.

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Ein erster Aufruf der katholischen Gemeinde mit der Bitte um Sachspenden war so erfolgreich, dass die Lagerräume vorerst bestens gefüllt sind mit Kleidung, Spielzeug, aber auch zum Beispiel mit Windeln für die Kleinsten und Hygieneartikeln. Im Moment können keine weiteren Sachspenden gelagert werden. In vier Wochen sieht das vielleicht wieder anders aus.

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Viele Menschen bieten an, selbst mit anzupacken. Die große Menge der Sachspenden, die in den Räumen der Gemeinde St. Josef zentral gesammelt werden, muss sortiert werden – ehrenamtlich natürlich. Nur einwandfreie Kleidung geht anschließend zur Verteilung in die Flüchtlingsunterkunft. Denn natürlich haben auch Flüchtlinge ein Recht darauf, sich sauber und ordentlich zu kleiden.

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Für andere da sein – das ist natürlich kein Privileg der Christen, aber die Christen von Scholven sind dabei, wenn Hilfe nötig ist: Ob nun eine Spielecke für die Kinder organisiert wird, ein Fußballturnier für die vielen jungen Männer oder eine Kaffee-Einladung an die Flüchtlingsmütter in der benachbarten Grundschule.

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